THC, CBD, CBG und Co.: Die wichtigsten Cannabinoide verständlich erklärt
THC, CBD und CBG einfach erklärt: Was Cannabinoide sind, wie sie wirken, was rechtlich gilt und worin sich die Wirkstoffe unterscheiden – neutral und für Einsteiger.
Inhaltsverzeichnis
Wer sich mit Cannabis beschäftigt, stößt schnell auf Abkürzungen wie THC, CBD oder CBG. Dieser Überblick erklärt für Einsteiger verständlich, was Cannabinoide sind, wie sich die wichtigsten Wirkstoffe unterscheiden und was du rechtlich in Deutschland beachten solltest. Wichtig vorab: Dieser Artikel ist eine allgemeine Wissensgrundlage und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung – Heilversprechen findest du hier bewusst nicht.
Was sind Cannabinoide?
Cannabinoide sind die charakteristischen Wirkstoffe der Cannabispflanze. Die Pflanze enthält sehr viele verschiedene chemische Verbindungen, von denen ein Teil biologisch aktiv ist. Zu diesen aktiven Bestandteilen zählen die Cannabinoide, wobei THC, CBD und CBG zu den bekanntesten gehören.
Man unterscheidet dabei grob zwischen pflanzlichen Cannabinoiden (auch Phytocannabinoide genannt), die natürlich in der Pflanze vorkommen, und synthetischen Cannabinoiden, die künstlich im Labor hergestellt werden. Synthetische Varianten können in ihrer Wirkung unberechenbar und teils deutlich riskanter sein als die natürlichen Pflanzenstoffe – dieser Artikel behandelt ausschließlich die pflanzlichen Cannabinoide. Die einzelnen Cannabinoide wirken im Körper unterschiedlich, weil sie auf verschiedene Weise mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System zusammenspielen.
THC: psychoaktiver Hauptwirkstoff
THC (Tetrahydrocannabinol) ist das bekannteste und wichtigste psychoaktive Cannabinoid der Pflanze. Es ist verantwortlich für den Rausch, den viele Menschen mit Cannabis verbinden. THC bindet vor allem an sogenannte CB1-Rezeptoren im Gehirn, was die typischen psychoaktiven Effekte auslöst.
Diese Wirkung kann sich auf das Denken, die Motorik und das Zeitgefühl auswirken. Genau deshalb ist THC im Straßenverkehr relevant: In Deutschland wurde zum 22. August 2024 ein gesetzlicher THC-Grenzwert im Straßenverkehr eingeführt. Er liegt bei 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum und löste den zuvor herangezogenen Nachweisgrenzwert von 1,0 ng/ml ab. Dieser Wert wird von Fachleuten vom Risiko her etwa mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille verglichen. Wichtig: Cannabis am Steuer bleibt trotz des höheren Grenzwerts strafbar, wenn der Wert überschritten wird. Für Fahranfänger in der Probezeit und Fahrer unter 21 Jahren gilt weiterhin eine strengere Nulltoleranz-Regelung, und für Cannabiskonsumenten besteht ein absolutes Alkoholverbot am Steuer.
Auch der Jugendschutz spielt eine zentrale Rolle: Für Minderjährige bleiben Besitz und Konsum von Cannabis verboten. Der wichtigste Unterschied zu CBD ist die Psychoaktivität – während THC berauschend wirkt, ist das bei CBD nicht der Fall. Mehr dazu findest du in unserem Vergleich CBD und THC: der Unterschied.
CBD: nicht berauschend, aber rechtlich nicht automatisch unproblematisch
CBD (Cannabidiol) ist neben THC das wohl bekannteste Cannabinoid. Der grundlegende Unterschied zu THC: CBD gilt als nicht berauschend und erzeugt nicht das „High“, das viele Menschen mit Cannabis verbinden. Auch der Wirkmechanismus unterscheidet sich – CBD bindet nur schwach an die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren und wirkt über einen komplexeren Mechanismus.
„Nicht berauschend“ bedeutet aber nicht automatisch „rechtlich unproblematisch“. In der EU werden CBD-haltige Lebensmittel unter der Novel-Food-Verordnung eingestuft: Als neuartig gilt ein Lebensmittel, das vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurde. Für einnehmbare CBD-Produkte ist eigentlich eine EFSA-Zulassung nötig, die noch aussteht – das Bewertungsverfahren läuft weiterhin. Die EFSA hielt zudem die vorliegenden Sicherheitsdaten für nicht ausreichend, um eine sichere tägliche Aufnahmemenge festzulegen. In der Praxis werden CBD-Produkte in Deutschland dennoch verkauft, was zu einer rechtlichen Grauzone führt.
Wichtig ist außerdem, mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen nicht zu verschweigen: CBD kann Wechselwirkungen mit anderen Substanzen haben und ist nicht für jeden geeignet. Wer Medikamente einnimmt, schwanger ist oder Vorerkrankungen hat, sollte vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.
CBG und weitere Cannabinoide
CBG (Cannabigerol) ist ein weiteres Cannabinoid, das in der Regel in geringeren Mengen in der Pflanze vorkommt und – wie CBD – als nicht berauschend gilt. Es wird häufig als „Vorläufer-Cannabinoid“ bezeichnet, weil es chemisch am Anfang der Bildung anderer Cannabinoide wie THC und CBD steht.
Zu CBG kursieren teils vollmundige Aussagen. Wir übernehmen bewusst keine „Wundermittel“-Claims. Denn der Forschungsstand ist begrenzt: Die Untersuchungen zu CBG stehen noch am Anfang, und viele Aussagen beruhen auf frühen oder vorläufigen Erkenntnissen. Belastbare Wirkversprechen lassen sich daraus nicht ableiten. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du weitere Grundlagen in unserem Artikel zu Cannabigerol. Neben THC, CBD und CBG enthält die Pflanze noch zahlreiche weitere Cannabinoide, zu denen die Forschung ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist.
Wie stark ein bestimmtes Cannabinoid vertreten ist, hängt auch von der Pflanze selbst ab. Einen Überblick über die gängige Einteilung gibt unser Beitrag zu Sativa, Indica und Hybrid.
FAQ
Macht CBD high?
Nein. CBD gilt als nicht berauschend und erzeugt nicht den für THC typischen Rausch. Im Gegensatz zu THC löst CBD kein „High“ aus, das viele Menschen mit Cannabis verbinden.
Ist CBG legal?
Für CBG gibt es keine eigene klare Sonderregelung. In der Praxis richtet sich die rechtliche Bewertung stark nach dem Produkt, dem THC-Gehalt und der Frage, ob es als Lebensmittel eingestuft wird. Ähnlich wie bei CBD fallen einnehmbare Produkte in Europa unter die Novel-Food-Verordnung, deren Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Prüfe im Zweifel das Produkt, das Analysenzertifikat und die aktuelle Rechtslage.
Was ist wichtiger: Sorte oder Wirkstoffprofil?
Für die Wirkung ist das Wirkstoffprofil – also welche Cannabinoide in welchem Verhältnis enthalten sind – meist aussagekräftiger als das bloße Etikett „Sativa“ oder „Indica“. Die Sortenbezeichnung gibt eine grobe Orientierung, das konkrete Cannabinoid- und Terpenprofil beschreibt die zu erwartende Wirkung jedoch präziser.